Müller-Thurgau

Allgemein:
Der milde fruchtige Weiße, ist besonders Weineinsteigern zu empfehlen.
Weite Verbreitung und unkomplizierter Genuss machen ihn zu vielseitigen "Alltagswein", wobei der Ausdruck nicht die Qualität in Frage stellen soll.


Geschichte & Herkunft:
Die Entwicklung des Müller-Thurgau dauerte von 1882 - 1913, als er seinen heutigen Namen Mülller-Thurgau erhielt. Der aus dem schweizer Kanton Thurgau stammende Prof.Dr. Hermann Müller ist der Züchter dieser Kreuzung.
Während seiner Stationen in Geisenheim und Wädenswil (Schweiz) entwickelte Prof.Dr. Müller diese neue Rebe. Aber erst 1913 nach Vermehrungen und weltweiten Testanbauten erhielt die Rebe ihren Sortennamen Müller-Thurgau.


Der Name Rivaner, welche heute aus Rechts- und Marketinggründen verwendet wird, ist dem Irrglauben zu verdanken, dass es sich um eine Kreuzung von Riesling und Silvaner handelt. Erst 1998 konnte durch ein Genanalyseverfahren der Silvaner als Kreuzungspartner ausgeschlossen werden. Die Rebsorte Madeleine Royal, welche zum Formenkreis des Gutedel gehört, wurde als Vater identifiziert.


Nach 1945 wurde der Müller-Thurgau für viele Neuanpflanzungen verwendet. Im Jahr 1975 hatte er die meiste Anbaufläche in Deutschland. Bis heute ist die Anbaufläche leicht rückläufig, hat sich aber auf hohem Niveau (13.721 ha / 2008) stabilisiert. 


Anbau & Aroma & Reifung:
Der Müller-Thurgau ist eine sehr ertragreiche und ertragsichere Rebe, welche keine großen Anforderungen an die Lage stellt. Allein gegen Trockenheit und tiefen Frost (unter -15Grad) ist die Rebe empfindlich. Deshalb wird er meist doch angebaut, wo die Bedingungen für anspruchsvollere Reben nicht geeignet sind.


Der frühreife Müller-Thurgau zeichnet sich durch seine milde Säure und das trotzdem blumig fruchtige Aroma (Apfel, Zitrone, Geranie) aus. Trockene Müller-Thurgau Weine sind erfrischend und haben eine typische Muskatnote. Bei den halbtrockene Weinen kommt noch eine fruchtige Note hinzu, wodurch die Weine sehr süffig werden.


Selten wird ein Müller-Thurgau durch längere Lagerung besser. Er sollte jung getrunken werden, um seine spritzige und erfrichende Art zu geniessen.


Statistik:
Der Müller-Thurgau belegt mit 13.721ha (2008) den zweiten Platz der größten Anbaufläche Deutschlands. Von Mitte der Siebziger bis Mitte der Neunziger war der Müller-Thurgau die am meisten angebaute Rebe, bis der Riesling ihn überholte. In allen 13 deutschen Anbaugebieten finden wir den Müller-Thurgau, in sieben zählt er zu den "Classic" Rebsorten. Wobei in Rheinhessen mit 4.320ha, in Baden mit 2.737ha, in der Pfalz mit 2.310ha, in Franken mit 1.838ha und an der Mosel 1.263ha die größten Flächen bebaut werden.


Weltweit ist der Müller-Thurgau die meist angebaute Sorte. Besonders sind Ungarn (ca 8.000ha), Österreich (ca.5.200ha), Slowakei (ca.5.300ha) zu nennen.


Genuss:
Ein Sommelier wird Ihnen einen Müller-Thurgau zu leichten Vorspeisen und Salaten, aber auch zu Gerichten mit hellem Fleich (Geflügel, Kalb, Süßwasserfisch) empfhehlen.